Bei der Kaufhauskette Woolworth war die historisch gewachsene Telekommunikationsinfrastruktur aufgrund ihrer Heterogenität zu aufwändig geworden. Der IT-Lösungsanbieter HOB in Cadolzburg wurde daher mit der Leitungskonsolidierung für die rund 340 Standorte beauftragt.
Die bekannte Warenhauskette Woolworth mit Sitz in Frankfurt betreibt rund 330 Läden in Deutschland, elf in Österreich sowie eigene Verteilzentren. Die gesamte Kommunikation basierte auf einer heterogenen WAN-Struktur bestehend aus Frame Relay- und ISDN-Datenverbindungen sowie anderen Standleitungen. In jeder Filiale existierte eine autarke Netzwerk- und Rechnerinfrastruktur, in der die Warenprozesse ablaufen.
Aufwändig und teuer
„Diese Situation stellte uns zunehmend vor Probleme. Der Zugriff auf zentrale Daten war umständlich, nicht transparent und die Internet-Kommunikation teilweise ohne Absicherung. In den Filialen waren unterschiedliche Verkabelungsstrukturen und WAN-Anschlüsse vorhanden. Eine klare Kostengliederung war nur teilweise möglich, wodurch die TCO pro Filiale nur geschätzt werden konnten. Last but not least summierten sich die Kosten für die WAN-Infrastruktur auf einen siebenstelligen Eurobetrag pro Jahr“, erklärt Josef Fecher, Leiter Systemtechnik bei der Deutschen Woolworth GmbH & Co. OHG.
Es musste etwas geschehen, um die gesamte Datenkommunikation technisch und wirtschaftlich zu optimieren und damit einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Woolworth zu leisten.
Langjähriger IT-Partner ergreift Initiative
Aus diesem Grund hatte Woolworth bereits ein Projekt zur Modernisierung der gesamten IT Laden-Infrastruktur (WAN-Anbindung, lokale Netzwerke, Kassen und PC) aufgesetzt. Von daher war die Kaufhauskette offen für den Vorschlag des Software-Entwicklungshaus HOB aus Cadolzburg, ein neues Leistungskonzept zu erstellen. Beide Unternehmen verbindet bereits seit 1988 eine enge Geschäftsverbindung und HOB kannte daher die Anforderungen einer modernen Kaufhauskette. „Das war natürlich nicht ganz uneigennützig, weil wir den Löwenanteil der erforderlichen Konsolidierungsarbeiten auch selbst anbieten und durchführen wollten“, erklärt Heinrich Fau, Leiter des Bereiches Networking bei HOB, und ging mit seinen Mitarbeitern zunächst auf eigene Initiative im Herbst 2002 zu Werke: Die IT-Spezialisten ermittelten die bisherigen Kosten der Datenkommunikation und entwickelten daraus ein Grobkonzept für die Erneuerung der Informations- und Telekommunikationsstruktur und den daraus resultierenden Return of Investment (ROI). Bereits im ersten Entwurf errechneten sie ein Einsparungspotenzial bei den Leitungskosten von rund 50 Prozent.
"Dieses Engagement an sich und die Vorschläge haben uns sehr gut gefallen und so beauftragten wir HOB im Februar 2003 mit der Erstellung eines Feinkonzeptes für das Projekt ‚Erneuerung der Ladeninfrastruktur", erklärt Fecher.
Nach zwei Monaten, im Februar 2003, präsentierte das IT-Entwicklungshaus seinen Arbeitsvorschlag, bei dem folgende Ziele im Vordergrund standen:
deutliche Reduzierung der Leitungskosten
Erhöhung der Transferraten
transparenter Zugriff auf die Datenbestände
sichere Internet-Kommunikation
7x24 Stunden Verfügbarkeit
Mittelständler setzt sich durch
„Es war uns von Beginn an klar, dass wir dieses Ziel nicht aus eigener Kraft bewältigen konnten, weil dazu die gesamte IT-Infrastruktur an den Standorten neu aufgesetzt werden musste“, sagt Fecher.
Daher wurde im Mai 2003 eine Ausschreibung durchgeführt, an der 18 überwiegend internationale Bewerber der IT-Industrie – u.a. Arcor, AT&T, IBM, Fujitsu-Siemens und Telefonica – teilnahmen. Gegen die durchaus starke Konkurrenz erhielt HOB im Juni 2003 den Auftrag mit folgenden Gewerken:
Organisation und Überwachung der Verkabelungsarbeiten
Versorgung der Filialinfrastruktur mit Datenswitches, Zentral- und Filial-Router
Aufbau der VPN-Infrastruktur im Rechenzentrum und an den Standorten
Monitoring aller Router und Switches für fünf Jahre
Wartung und Service der neuen Infrastruktur für fünf Jahre
HOB konnte mit der Realisierung dieser Arbeiten Ende Juli 2003 beginnen und musste sie bis Anfang Dezember 2003 abgeschlossen haben. „Die Umstellung von über 340 Standorten in nur knapp vier Monaten war für uns als mittelständisches Unternehmen eine große Herausforderung. Der Rollout-Plan musste minutiös eingehalten werden, andernfalls hätten wir Vertragsstrafen bezahlen müssen. Nicht einmal Cisco, deren Router wir einsetzen, hatte ein Referenzprojekt gleicher Größenordnung in so kurzer Zeit“, erklärt Heinrich Fau.
20 Teams unter Volldampf
Innerhalb der vereinbarten Zeit ging HOB mit drei Subunternehmern und langjährigen Partnern daran, das heterogene WAN auf ein hochsicheres IPSec-VPN umzustellen. Zeitweise waren bis zu 20 Teams mit je zwei Personen an allen Standorten über ganz Deutschland verteilt und in Österreich im Einsatz.
Zunächst war es erforderlich, in den Lokationen eine einheitliche Infrastruktur herzustellen, indem eine strukturierte Verkabelung nach EN 50173 aufgebaut und alle aktiven Komponenten durch neue ersetzt wurden. Da in den Läden und Verteilzentren tagsüber der normale Geschäftsbetrieb lief, war eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Filialleitern erforderlich, um die Arbeiten überwiegend nach Geschäftsschluss bis in die Nachtstunden hinein durchzuführen. „Anfänglich gab es einige Schwierigkeiten in der Koordination mit den Ansprechpartnern in den Filialen. Dass letztlich doch alles reibungslos klappte, ist auch der starken Unterstützung der IT-Verantwortlichen aus der Woolworth-Zentrale zu verdanken“, erläutert Heinrich Fau.
Rollout in drei Schritten
Im ersten Rollout-Schritt, der insgesamt rund vier Monate dauerte, installierte HOB die neue Leitungsinfrastruktur und die Router. Sobald die Infrastruktur an den ersten Standorten neu aufgesetzt war, begann dort ab September – und dann zeitversetzt Zug um Zug – der zweite Schritt, in dem das gesamte Woolworth-Netz auf die Internet-Plattform „OnlineConnect“ der DTAG portiert wurde. Online Connect ermöglicht es Unternehmen als ein eigener Provider, z.B. wie „T-Online.de“ aufzutreten. Ähnlich der T-Online Plattform besitzt Woolworth eine bundesweit einheitliche Einwahlnummer, über die sich alle User und Läden am Netz anmelden können. Die Fakturierung der entstandenen Online-Kosten kann exakt verursacherbezogen erfolgen. Der zentrale Zugang vom Rechenzentrum in Frankfurt zur OnlineConnect Plattform ist redundant mit 2 x 34 Mbps ausgelegt. Sämtliche Access-, Firewall- und Authentisierungsmechanismen wurden zentral im Rechenzentrum der T-Systems in Eschborn bei Frankfurt positioniert, wohin Woolworth seine gesamte Hardware- und Software-Rechnerstruktur outgesourct hat. Kern der Rechnerwelt bei der Deutschen Woolworth sind einige AS/400-Systeme, sowie RS6000 (AIX) und Intel-basierte Server (Win2K und Linux). Die Warenwirtschaft des Unternehmens läuft auf den AS/400-Maschinen, Datenbankanwendungen und das Mail-System auf den RS6000-Systemen. Über WTS werden den Läden die notwendige Büro-Anwendungen zur Verfügung gestellt.
Die Anbindung der Läden/Filialen erfolgt über T-DSL der Telekom. Lediglich sechs Standorte konnten zum Installationszeitpunkt nicht mit T-DSL erschlossen werden; hier kommt das „Company-Connect“ der T-Com zum Einsatz. Die Kommunikation zwischen Filiale und Zentrale geschieht generell über sichere „IPSec VPN-Tunnel“. Alle VPN-Verbindungen werden an einer zentralen VPN-Instanz terminiert und redundant ausgelegt. Für den Fall, dass Internet-Verbindungen zeitweilig nicht zur Verfügung stehen, sind folgende Backup-Mechanismen vorgesehen: Zunächst wird versucht, via ISDN eine Verbindung zur Online-Connect Plattform zu etablieren; schlägt dies fehl, wird eine direkte ISDN-Backup-Verbindung zum Rechenzentrum aufgebaut. Je Laden kommen ein Splitter mit DSL und einem ISDN Anschluß, sowie ein zweiter, physikalisch getrennter ISDN-Anschluß zum Einsatz. Durch die beschriebenen Maßnahmen wird eine Verfügbarkeit von mindestens 99,5 Prozent gewährleistet.
Remote Clients nutzen die Web-to-Any-Host-Software HOBLink J-Term Terminal Edition, die eine sichere Kommunikation zwischen einem beliebigen Browser und den Anwendungen und Daten auf der zentralen AS/400 bzw. dem Windows Terminal Server garantiert. Die Authentisierung erfolgt über RSA “One Time Tokens” und einen ACE Authentisierungs-Server. Die weltweite Kommunikation geschieht ausschließlich über SSL und Client-unabhängig von einem beliebigen Internetzugang aus. Diese Art der Verbindung soll weltweit hauptsächlich von mobilen Woolworth-Mitarbeitern genutzt werden und erlaubt den Zugriff auf freigegebene Applikationen sowohl im Warenwirtschaftsystem der AS 400 als auch im klassischen Windows Terminal Server Umfeld.
Im dritten Schritt des Rollouts übernahm HOB auch das gesamte Netzwerk-Monitoring und Störungsmanagement auf seiner Überwachungsplattform in Cadolzburg. Es umfasst einen 7x24 Stunden-Service für sämtliche Standorte sowie die zentralen Router, VPN-Router und DSL-Zugänge.
Deutliche Kosteneinsparung
„Durch den Umstieg auf die ‚Pure Internet Plattform’ haben wir die Leitungskosten deutlicht gesenkt“, freut sich Jürgen Flemming, Gesamtprojektleiter der Deutschen Woolworth und Leiter der IT-Infrastruktur. Zugleich konnte eine Performancesteigerung um den Faktor 12 im Downstream und den Faktor 2 im Upstream erzielt werden, was Woolworth die Möglichkeit bietet, neue Applikationen wie die Kassensoftware LUCAS von Logware einzusetzen, oder den gesamten Informationsfluß auf Mail umzustellen.
Doris Jessen
Journalistin PR-Beratung
www.jessen-pr.de